Die Fotographien des Tagebuches wurde uns von der Ur-Ur-Ur-Enkelin von Fritz Dolgner übergeben mit der Erlaubnis es zu verwenden. Der Ursprüngliche oben Einband trug nur die Kennzeichnung “Tagebuch”, doch bei der Restauration wurde von der Familie die unten gezeigte Kontextualisierung als Zusatzinformation verwendet. Die Einleitung ist offenbar Original. Die folgende Transkription beinhaltet nur diese beiden Elemente. Darauffolgende werden jeweils 3 Seiten übertragen. Die Edition der Transkription wurde durchgeführt von Matthias Funk.
Ein interessantes Gegenstück zu diesem Tagebuch ist der historische Roman “Prisioneiro de Guerra nos Açores”. Das Tagebuch zeigt bereits in der Frühphase ein ambivalentes Verhältnis zu den Portugiesen, indem es zwischen kritisierten Strukturen und positiv bewerteten Individuen sowie einer überwiegend germanophilen Bevölkerung differenziert. Der Roman zeigt wie diese beschriebene Ansätze unter längerer Zeitperspektive und nach dem Kriegsende zu einer konsistenteren Beziehung entwickeln k(o/ö)nnte. Insgesamt kann der Roman als zeitlich und narrativ ausgebaute Fortführung bereits im Tagebuch angelegter Interaktionen gelesen werden. Genauso zeigen beide Texte, wie stark die Selbstorganisation und das kulturelle Leben den Aufenthalt strukturierte. Auffällig sind dabei gewisse Parallelen, obwohl das Tagebuch nicht direkt als Quelle diente, sondern vielmehr Familienerzählungen als Inspiration herangezogen wurden.

Titelblatt
Tagebuch / Diário
Diário do internamento na Ilha Terceira [Tagebuch der Internierung auf der Insel Terceira]
do Avô Fritz [von Opa Fritz]
21/4/1916 a 20/8/1916 [vom 21/4/1916 bis 20/8/2016]
Os Avôs foram libertados a 26/10/1919 [Die Grosseltern wurden am 26/10/1919 freigelassen]
Vorwort
Meine Internierung
auf
Insel Terceira
Azoren
Minha Internação
na
Ilha Terceira
Açores

1.
Interniert
Es war am 21. April 1916, als ich vormittags in unser technisches Bureau ging. Herr J. Silva, unser kaufmännischer Leiter, war auch dort und gab mir sofort den “Seculo”, fragend, ob ich ihn schon gelesen hätte; als ich verneinte, sagte er mir: “Lesen Sie nur, aber regen Sie sich nicht unnötig auf.”
Ich ahnte nichts Gutes und richtig, da war das Dekret, von dem schon solange gesprochen worden war.
Alle Deutschen sind ausgewiesen, mit Ausnahme der männlichen zwischen 18 und 45 Jahr[sic!].
Es kamen dann noch einige Nebenparagraphen, die hier nicht am Interesse sind.
Dem Dekret gemäß ging ich sofort zum Kommandanten der “Guarda Republicana” in Barreiro, um mich zu melden.
Da der Herr aber keine Order hatte, so bestätigte er mir meine Meldung und ließ mich abwarten.
Der 21 war gerade Charfreitag, dann
2.
am Sonnabend früh brachten die Lissaboner Zeitungen spaltenlange Berichte über die Einschiffung der ersten Deutschen. Ich wollte am Mittag gar nicht essen gehen, sondern meine Koffer packen, aber Dr. Jantsch, unser technischer Direktor, redete solange auf mich ein, bis ich mitging.
Ich war wütend, denn von meinem Chef hatte ich die schönsten Zusicherungen in der Tasche und als der schwierige Punkt kam, hatte ich niemand, der mir wenigstens einen guten Rat gegeben hätte.
Der Chef hat keine Ahnung, denn er war mit seiner Frau in Bussaco, um dort die Karwoche und Ostern zu verleben.
Aber von all den anderen Herren kann man sagen, dass keiner einen Finger gerührt hätte. Es hat das nur ein gutes, dann nun brauch ich auch niemand zu danken. Als ich vom Essen zurück kam, es war gegen 2 Uhr nachmittags, wurde ich schon
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gesucht. Der Kommandant wünschte mich zu sprechen.
Als ich hin kam, bekam ich die Order, mich sofort fertig zu machen, da ich um 3h53 Barreiro verlassen müsste, um mich beim General-Kommando in Lissabon zu melden.
Darüber, ob ich Gepäck mitnehmen müsste oder ob ich noch einmal nach Barreiro zurück könnte, konnte er mir nichts sagen. Herr J. Silva war spurlos verschwunden, obwohl er wusste, was vorging.
Ich bin davon überzeugt, dass er meiner Internierung sehnsüchtig entgegensah, denn ich war für seine autokratischen Pläne ein großes Hindernis, da ich von ihm nie Anordnungen annahm und seine Anschauungen auch sonst nicht teilen konnte.
Es waren des Krieges wegen große Veränderungen in den leitenden technischen Stellen vorgegangen und die neu eintretenden Herren hatten Order vom Chef, in administrativen Dingen den J. S. um Rat zu fragen.
Dieser Umstand benutzte er,

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sich sofort aufs hohe Pferd zu schwingen, um sich seine lang erträumte Stellung als Generaldirektor der Fabrik Barreiro zu schaffen. Um 3h53 also, nachmittags, fuhr ich von Barreiro ab und kam so um 5 Uhr im grossen Generalstab an.
Dort bekam ich ein Begleitschreiben an die “Comissão de transportes marítimos”, wo ich mich um 7h30 abends zu stellen hatte.
Meine Einwendungen, dass ich fast gar keine Wäsche mit hatte, wurden nicht beachtet und ich musste froh sein, dass ich alles hatte, was ich in der kurzen Zeit von einer Stunde zusammenraffen konnte. Auf dem Weg zum Quai ging ich noch schnell zur Firma, um mich zu verabschieden. Auf dem Quai hiess man mich warten und ich benützte die Zeit um an Laura zu schreiben.
Solange hatte mich die Erregung und die schnelle Folge der Ereignisse wach gehalten, aber da während des Schreibens
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überkam es mich, ich musste alle Gewalt anwenden, um nicht laut aufzuschluchzen. Herausgerissen aus Allem. ohne irgend jemand zu nutzen, vertrieben von Stellung und Haus, Frau und Kinder wie traurig. Da wenn ich dem Vaterlande nützen könnte damit, wie leicht würde ich alles tragen.
Nach ungefähr einer Stunde des Wartens fuhr der Schleppdampfer ab.
Ich glaubte, dass wir dort wohl mit einem Passagierschiff verschifft würden, aber wie gross war mein Erstaunen, als der Schlepper neben einem Überseedampfer anlegte, auf welchem ich beim besten Willen keine Kabinen für Passagiere entdecken konnte.
Mit beklommenem Herzen bestieg ich die Plattform des Schiffes und stieg an Deck.
Oben angekommen wurde ich von einem Decksoffizier in Empfang genommen.
Der Herr war sehr höflich und sogar liebenswürdig, ganz im Gegensatz zu dem am Eingang Posten
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stehenden Matrosen, welcher zwar noch sehr jung, aber dessen ungeachtet sehr frech war.
Nachdem mein Gepäck revidiert war, ob Waffen oder Explosionsstoffe darin wären, bat ich den Decksoffizier mir meinen Platz anzuweisen.
Wir gingen nach dem Achterdeck, vor der Ladeluke Nr. 3 angekommen blieb er stehen, wies mit der ausgestreckten Hand nach unten und sagte:
“Hier unten!”
Ich schaute nach unten und was ich dort sah, machte mich noch niedergeschlagener und verzagter als ich schon war.
Ich sah nur ein Chaos von Matratzen, Decken, Kissen, Koffern, Essgeschirr, Eimern usw.
Also unten im Laderaum war unser Logis. Zusammengepfercht wie die Schweine.
Nichts als Unterlage, als eine Matratze auf dem unsauberen eisernen Zwischendeck.
Dicht an der Ladeluke standen, als ich ankam, einige Leidensgenossen; ich stellte mich vor und fragte, wo denn die anderen Kameraden wären, da ich hoffte immerhin

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noch einen Bekannten zu finden.
Als Antwort bekam ich:
“Warten Sie nur einen Moment, die Einen sind noch im Speisesalon und die Anderen dürften im Lese- oder Rauchsalon sein.”
Ich war einen Augenblick perplex, da ich nicht recht wusste, war es ein Ulk oder Ernst; als ich aber Alle lachen sah, lachte ich wohl oder übel und trotz meines dicken Gesichtes mit. Der Antwortende war ein Berliner, ich erkannte es sofort am Dialekt und da konnte ich mir den Rest denken.
Dieser Herr heiterte uns auf der ganzen Reise auf, sofern er nicht seekrank war.
Ich brachte mein Gepäck nach unten und stieg dann wieder hinauf, um mich nach eventuellen Bekannten umzusehen. Ich traf auch sofort den Herrn Paul, mit welchem ich schon von Lissabon aus sehr gut bekannt war.
Während wir uns unterhielten, gesellte sich der Herr Harting zu uns.
Dieser Herr ist der Mitinhaber der größten Schiffsagentur in Lissabon.
Diese Agentur
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hat die Vertretungen sämtlicher deutscher Dampfergesellschaften, sofern diese sich überhaupt hier vertreten lassen.
Ich kannte den Herrn Harting schon vom sehen und wusste auch, dass er mit meinem Chef auf freundschaftlichem Fusse stand.
Mein Chef hatte auch ihm die Versicherung gegeben, dass er frei kommen würde, aber es war eben nichts zu machen, da die Militärbehörde die ganze Sache in der Hand hatte. Der Herr Hartung schimpfte ganz gewaltig über die Art und Weise der Unterbringung.
Er und Herr Paul standen mir mit Rat und Tat zur Seite, halfen mir Bettzeug zusammensuchen, da sie wussten wo die besten Stücke lagen und so kam ich dann in den Besitz von zwei Matratzen, drei guten wollenen Decken und zwei Daunen Kissen.
Herr Paul half mir dann noch mein Bett bauen und da war ich dann so gegen 9 Uhr untergebracht.
Das Essen, was ich den Abend bekam, waren 2 grosse Stücke trockenen
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Brot und ein ganz winziges Stück Käse.
Ich ass nur um zu essen, denn Appetit hatte ich wenig.
In meinem Proviantsack hatte ich noch Essen für mindestens zwei Tage, aber ich wollte es nicht angreifen.
Bis 10 oder 10h30 blieben wir noch an Deck, dann ging es zur Ruhe.
Ich schlief ganz normal und erwachte erst gegen 5 Uhr morgens und zwar infolge eines heftigen stechenden Schmerzes meines Zahngeschwüres. Dasselbe war aufgegangen und ich musste an Deck. Um 6 Uhr kleidete ich mich fertig an. Waschgelegenheit war keine. Ich erwischte noch mit knappem Not einem Eimer, den ich aber erst auswaschen musste, um mich dann darin waschen zu können.
Um 7 Uhr morgens gab es Kaffee mit viel Zucker darin und altes trockenes Brot.
Der Kaffee war zu trinken und das Brot wurde eben darin aufgeweicht.
Als Passagiere für das Achterdeck hatten wir noch dazu bekommen zwei Ochsen, ein Kalb, drei Schweine und

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einen Hammel.
Die Ochsen waren angebunden, die anderen Tiere bewegten sich jedoch frei unter uns.
Eine schöne Gesellschaft, ganz zweifellos!
Ostersonntag! Der Tag war schön, ein angenehmes mildes Wetter.
Aber bei uns allen traurige und niedergeschlagene Gesichter.
An Deck und auf der Ladeluke selbst standen einige Liegestühle, auf ihnen lagen oder sassen die Damen, welche ihre Gatten in die Gefangenschaft begleiteten.
Fast alle hatten verweinte und verstörte Gesichter.
Die Unterkunft war ja auch nichts weniger als angenehm, denn Damen, Herren und Kinder, alles schlief in demselben Raum.
Die Hosen konnte man sich nur im Bett, also unter der Decke, aus- und anziehen.
Die Damen konnten sich überhaupt nicht entkleiden.
Für Frau Gottschalk und Frau Schmidt -Lissabon – hatten zwei Schiffsoffiziere ihre Kabinen abgetreten, diese waren also die
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glücklichsten auch in sofern, als sie im kleinen Salon, der sonst für den Kapitän, den I. Offizier und den I. Ingenieur reserviert ist, assen.
Um 10h30 gab es Frühstück, ich weiss nicht mehr was es war, erinnere mich jedoch, dass das Essen am Ostersonntag noch einigermassen geniessbar war.
Wir waren ja auch nur erst so 45 Personen. Während des Nachmittags kamen noch die in Oporto ansässigen Deutschen hinzu und es waren mit Damen und Kindern 35, so dass wir nun ca. 80 Personen waren.
Da nun schon 12 Familien an Bord waren, wurde Laderaum Nr. 4 für die Verheirateten mit ihren Damen und Kindern reserviert.
In unserem Raum blieben jedoch noch zwei Familien, die lieber bei uns als im Raum 4 liegen wollten. Auch Militär bekamen wir noch an Bord:
Ein Hauptmann, zwei Leutnants, zwei Unteroffiziere und 50 Soldaten wurden zu unserer Begleitung
10a.
mitgesandt.
Schrecklich langweilig wurde uns der erste Tag.
Niemand, nicht einmal der Kommandant des Schiffes, wusste wann die Reise losgehen sollte und wohin.
Alles dies trug nur noch mehr dazu bei, uns verzagter und verzweifelter zu machen. Der Montag brach ab.
Obwohl ich an die Firma geschrieben hatte, so kam doch niemand an Bord, das trug auch nicht dazu bei, meine Stimmung zu heben.
Während des Tages kamen noch die zwei letzten Deutschen an Bord, Dr. Hass ein Ingenieur und Schwindler, wie sich später herausstellte und der Herr Stüve jun., der Bruder des amerikanischen Konsuls in Porto.
Dieser letztere war schon am Sonnabend gekommen, aber der Erstere hatte versucht über die spanische Grenze zu kommen, war jedoch erwischt worden.
Um 4 Uhr nachmittags gab es schon das sogenannte Jantar, die Hauptmahlzeit des Tages.
Es gab nun

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eine Ueberraschung. Die Porzellanteller, von denen wir solange gegessen hatten, waren verschwunden und dafür bekamen wir Blechnäpfe. Auch hatten wir Blechtöpfe zum Trinken. Das Essen war bedeutend schlechter als an den Vortagen. Man musste sich zwingen, um es überhaupt essen zu können.
Während des Essens bekamen wir die ersten Anzeichen, dass es zur Abfahrt ging. Die Schiffsschraube wurde probirt, sowie auch die Steuermaschine, an Deck herrschte Aufregung, Matrosen und Bootsleute liefen hin und dorthin. Nachmittags war der Leite do Rego, dieser Lump, unser schlimmster Feind in Portugal, an Bord gewesen und wir hatten uns schon gedacht, dass er wohl die letzte Inspektion machen wollte. Er ist nämlich Divisionskommandant der Tejo-Flotte. Um 6h30 nachmittags ging ein leises Zittern durch das Schiff und
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der brave Taygetos, jetzt genannt “Sagres”, fing an langsam durch die trüben Fluten zu gleiten.
Fügung des Schicksals!
Auf gestohlenem deutschen Schiff werden die Deutschen ins Exil in die Gefangenschaft geschickt.
Auf gestohlenen Matratzen mit gestohlenen Decken schlafen wir und mit gestohlenem Besteck essen wir. Denn alles was wir an Bord zu unserer Verfügung hatten, war von den deutschen Schiffen weggenommen worden.
In halber Fahrt glitten wir den Tejo hinab, noch nicht bestimmt wissend wohin uns das Schicksal hinwirft.
Algés, Belém, Paço d’Arcos u. a. Strandorte zogen an uns vorüber, in gewundener Linie gingen wir über die Barra. Ein herrlicher Sonnenuntergang.
Die Wolken und der Himmel ein Flammenmeer.
Da, die Bucht von Cascais, wir erkennen die Boca do Inferno, im Hintergrund die Gebirge von Cintra, gekrönt mit dem “Castello da Pena” mit den
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Ruinen der alten Maurenburg. Bitter steigt es in mir auf.
Seit 8 Jahren in diesem, trotz allem, schönen Lande.
Ein fünfundhalbjähriges Familienleben, fünfundhalbjährige Arbeit sich ein Heim zu schaffen einen eigenen Herd. Viel bittere Arbeit, aber auch viele viele glückliche, selige Tage und Stunden.
Und nun weggerissen von allem was einem lieb ist, hinausgestossen aus dem schwer erkämpften Heim und zusammengepfercht mit Schweinen, Ochsen und Hammeln, bald selbst behandelt wie das liebe Vieh, gerade als ob man kein Recht mehr hätte auf Gottes Erdboden zu existieren.
Und warum dies alles?
Weil wir Deutsche sind, weil unser grosses schönes Vaterland seinen Neidern zu gross geworden ist. Das ist auch noch der einzige Trost den wir haben.
Wir leiden für unser Deutschland, allerdings ohne ihm zu nützen und das drückt auch wieder auf uns.
Noch einmal überfliegen wir die

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Küste mit unsern Blicken. Die Kuppel und die Fenster der “Pena” reflektiren das letzte Abendrot, als ob sie uns den letzten Scheidegruss zuwinken wollten.
Rechts von uns liegt ein Kreuzer, der aus allen Schloten qualmt. Der soll uns auf 100 Meilen begleiten um uns gegen Unterseeboote oder andere etwaige deutsche Angriffe zu schützen. O Ihr dämliche Portugiesen, glaubt Ihr denn, dass deutsche Unterseeboote nichts anderes zu tun hätten. Der Kreuzer setzt sich in Fahrt und zieht langsam hinter uns her. Curs Nord-West zu West, also auf die Azoren. Gleich darauf wird es bekannt; wir kommen nach “Ilha Terceira”.
Die Nacht ist mild und sternenklar. Langsam entschwinden die kleineren Leuchtfeuer der Hafeneinfahrt unsern Blicken. Nur das Feuer von Cabo Roca ist noch ganz deutlich zu sehen, und bleibt es auch noch
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den ganzen Abend. Da kommt mit einem Mal Bewegung unter die Kameraden, man hört Damen laut aufschluchzen und weinen; ich forsche nach der Ursache und sehe das [sic!] Rettungsgürtel verteilt werden. Ich konnte mich nicht entschliessen, einen zu nehmen.
Gegen 11 Uhr ging alles zu Bett.
Die See war fast ganz glatt, und das Schiff schlingerte nur wenig, obwohl es gar nicht beladen war und nur mit Ballast fuhr.
Als ich am nächsten Morgen an Deck ging, schaukelte es schon etwas mehr und man musste beim Leitern hinaufsteigen [sic!] schon etwas vorsichtig sein.
Von der Reise ist nicht viel zu berichten; sie verlief normal und ohne besondere Zwischenfälle.
Die Dünung der See nahm ständig zu und somit auch das Schlingern; am Donnerstag und Freitag erreichte es seinen Höhepunkt.
Alle Damen wurden seekrank mit Ausnahme von zweien, der Frau Kramer und Gottschalk.
Von den Herren war nur vielleicht
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der vierte Teil krank. Ich blieb vollständig verschont. Das Essen wurde von Tag zu Tag schlechter.
Es gab Mahlzeiten die ein weniger appetitliches Aussehen hatten, als das Futter, welches ich unserem Reno [Anm.:wahrscheinlich sein Hund] vorsetzte.
Fünf Tage hintereinander ass ich zum Frühstück nur trockene Pellkartoffeln mit Salz.
Brot bekamen wir nur trockenes und altes, welches schon in Lissabon an Bord genommen war.
Der Fisch, den wir zum Frühstück bekamen, war zum grössten Teil übelriechend und ungeniessbar.
Die Suppe am Nachmittag war oft sauer und aus Speiseresten von der Offiziersmesse gefertigt.
Das einzige Gute was es gab war der Schiffszwieback zum Kaffee, der Tee war frisch und schmeckte gut.
Die Offiziere waren sehr gut und liebenswürdig zu uns, hatten aber ihre Order und konnten uns auch keine Erleichterung verschaffen. Unsere Tische hatten wir uns aus alten Petroleumskisten und Brettern selbst gebaut.
So vergingen die Tage

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eintönig und langweilig bis zum Freitag den 28 April nachmittags. Da bekamen wir Wolkenbildungen in Sicht die auf Land-Nähe schliessen liessen [und] wir näherten uns dem Ziele. Der Curs war geändert worden, wir lagen jetzt südlich mit einem ganz kleinen wenig zu West.
Da wir nach der Fahrtdauer schon in „Ilha Terceira“ hätten sein müssen, so kamen wir dann dahinter, dass wir auf Umwegen fahren um etwaigen Unterseebooten oder Korsaren aus dem Wege zu gehen. Land bekamen wir noch nicht zu Gesicht. Als wir am Sonnabend morgen an Deck kamen lagen wir auf Curs Nord zu Osten und hatten eine ziemlich grosse Insel auf Backbord (links) in Sicht. Es war „Fayal“. Dieser, unser letzter Reisetag wurde sehr interessant. Nacheinander
kamen wir dann noch dicht an „Pico“ und „St Jorge“ vorbei und war so nah, das [sic!] wir in den Ortschaften mit unbewaffnetem Auge
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die einzelnen Gebäude unterscheiden konnten. Gegen 3 oder 4 Uhr nachmittags sichteten wir unser Ziel „Ilha Terceira“ und um 5 Uhr gingen wir in der Bucht von „Angra do Heroismo“ vor Anker.
Eine kleine halbe Stund darauf ging unser Korvetten-Kapitän in grosser Uniform an Land. Sofort tauchte das Gerücht auf, dass wir Sonntag früh um 8h30 ausgebootet werden sollten. Es war trübes, feuchtes Wetter, so recht melancholisch. Da die ganze Gruppe der azorianischen Inseln vulkanischen Ursprungs sind, so sind alle Inseln auch stark gebirgig. Der Ort Angra do Heroismo zieht sich an den Bergen hinauf und einzelne Strassenzüge reichen bis ziemlich weit in die Berge hinein. Die Insel schien ziemlich gut bewachsen zu sein, auch muss das feuchte milde Klima einen üppigen Pflanzenwuchs fördern. An der (Südwestseite) der Bucht liegt eine etwa 2 km grosse Halbinsel mit
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dem „Monte Brasil” und dem alten ziemlich baufälligen Castell „St Joannes des Täufers“.
Unsere Beobachtungen mussten wir leider einstellen, da die Dunkelheit eintraf. Angesicht des tristen Castells kamen uns wenig angenehme Gedanken und richtig bald hiess es auch, das wir alle zusammenkämen und auf dem Castell interniert würden und nicht wie wir glaubten in bestimmten Häusern der Stadt. Auf der Fahrt wurden wir immer in der Hoffnung erhalten, dass wir auf der ganzen Insel frei herumstreifen dürften; auch diese Hoffnung wurde zu Grabe getragen.
Und als wir am Sonntag auf Deck kamen sah man nur sorgenvolle, verbitterte und niedergeschlagene Gesichter. Es war bei uns schon abgemachte Sache, dass wir auf dem Castell ähnlich eingepfercht würden, als wie auf dem Schiff gewesen? Nun da werden wir eben Rancho (Soldatenessen) bekommen. Ein trauriger

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Sonntag, wohl der traurigste Tag meines Lebens mit Ausnahme derjenigen wo mir meine erste Herzallerliebste einen Korb gab. Na das sind nun schon etwa 12 Jahre her, aber es war auch so kurz nach Ostern.
Wir waren der Gegenstand des lebhaftesten Interesses, unablässig unkreisten kleine Motorboote voller Menschen unseren Dampfer, um die Deutschen zu sehen. Einige waren sogar recht freundlich und grüssten oder winkten hinauf. Aber man hörte auch Rufe „Nieder mit Deutschland“, „Tod dem
Kaiser“ und „Hoch Portugal“. Wir waren jedoch bis zur siebentägigen, erstklassigen Ernährung schon so abgestumpft, dass wir auf nichts mehr reagierten.
Am Vormittag hiess es dann, dass wir gegen 5h30 nachmittags ausgebootet würden. Es wurden auch tatsächlich unsere Decken und Kissen weggeholt aber am Spätnachmittag kam dann der Bescheid, dass wir erst am Montag früh, den 1. Mai
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nach dem Castell überführt werden sollten.
Wir bekamen noch notdürftig Decken wieder, jeder eine und schliefen also halb angekleidet während der letzten Nacht.
Am Montag früh gab es um 8h30 Frühstück ausnahmsweise essbar und um 9h30 Uhr bestiegen wir die Boote. Die uns begleitenden Offiziere waren so rücksichtsvoll, uns nicht durch die Ortschaft zu führen und uns der Neugier auszusetzen. Wir wurden gleich unterhalb des Castells ausgebootet. Die übrigen Zugänge zum Castell waren gesperrt, so dass wir von niemandem belästigt wurden. Es waren sogar Soldaten beordert, um unser kleines Handgepäck hinauf zu schaffen. Das alles machte auf uns einen angenehmen Eindruck. Langsam stiegen wir zum Castell empor. Auf den Hof ange-kommen hiess es „Halt“ und es wurden uns zunächst unsere Verhaltungsvorschriften gegeben; ein jeder bekam ein gedrucktes Exemplar und so gab es nun eine freudige
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Überraschung. Neben anderen Artikeln war dort auch einer, der uns die freie Bewegung
auf dem ganzen „Monte Brasil” gestattete. Das war immerhin schon eine ganz annehmbare Sache, denn dadurch bekämen wir die Gelegenheit uns ausreichend in schöner freier Luft bewegen zu können. Während unseres Aufstieges zur Zitadelle trafen wir zwei Photographen, die unseren Einzug durchaus aufnehmen wollten. Wir
gingen dem jedoch aus dem Wege, indem
wir die Köpfe so tief herabneigten, dass von unseren Gesichtern nicht zu sehen war. Nachdem wir ein paar Minuten auf dem Hof gewartet hatten, wurden wir
Gruppenweise aufgerufen und in unsere Schlaf und Wohnräume geführt. Zuerst die Familien
dann wir einzeln stehenden Männer. Ich kam mit zehn Kameraden auf ein Zimmer. Doch das Zimmer wurde ein bischen [sic!] stark besetzt, aber es ging noch
immerhin. In den Zimmern war weiter

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als die Betten, bestehend aus zwei eisernen Böcken, drei Brettern, einem Strohsack, einem kleinen Strohsack als Kopfkissen, zwei wollenen Decken, zwei Bettlaken und einem Kopfkissen-Bezug. Um nun nicht herumzulaufen wie eine Herde, so hatten wir uns während des Wartens auf dem Hofe einen Führer zum Chef gewählt. Die Wahl war auf Herrn Harting gefallen. Die erste Reklamation war wegen der Betten. Gründe: „Schlecht gefüllte Strohsäcke, zum Teil muffiges Stroh und vor allem wären wir keine Hunde um nur auf Stroh zu schlafen.” Wir empfahlen dann noch, die Matratzen auf denen wir an Bord geschlafen hatten, herüber zu holen, damit würden wir zufrieden sein. Nichts destoweniger machten wir unsere Betten, innerlich froh überhaupt Bettstellen bekommen zu haben. Was hätten wir wohl machen sollen, wenn man uns einfach auf Stroh gebettet hätte wie unsere Leidensgenossen in Frankreich und England in der ersten Zeit?
23.
Kurz vor Mittag kam ein Offizier ins Zimmer und sagte uns das [sic!] wir um ein Uhr in der Unteroffiziers-Kantine Essen bekommen sollten; wir bekämen aber nur gebratene Wurst, Brot und Wein; wir möchten das bitte entschuldigen, aber man war hier auf unsere Ankunft garnicht vorbereitet und daher wäre nichts da, aber wir könnten beruhigt sein, man würde alles tun, um uns zufrieden zu stellen. Mittlerweile hatte Herr Harting schon Verhandlungen angeknüpft, über unsere definitive Verpflegung. Wir gelangten zu folgenden Resultaten: „Es wird nicht mehr wie 400 [gr] Reis pro Kopf verausgabt, das sind nach gestrigen Cursen [sic!] 1,2 Mark. Wir sollten eine Kommision bilden, die die Zusammenstellung der Einkäufe macht. Das Küchenpersonal haben wir zu stellen bzw. selbst zu kochen. Es wird uns kein Geld gegeben sondern wir haben uns an eine bestimmte Tabelle zu halten, die pro Kopf und Tag folgendes vorschreibt. 500 gr Fleisch, 750 gr Brot, 50 gr Fett, 150 gr. Hülsenfrüchte, 0,4 ltr. Wein
24.
15 gr. Kaffee, 30 gr. Zucker, 15 gr. Salz, und 2,6 Kgr. Holz. Andere Gewürze wie Zwiebeln, Pfeffer, Zimt, Nelken usw. wird extra geliefert. Nun gibt es aber auch die sagen Tabelas de substitução [sic!] oder Extratabellen. Noch diesen kann man bekommen: „Statt 500 gr. Fleisch, 8 Eier, oder 12 ltr. Milch, oder 500 gr. Frischen Fisch und noch einige andere Sachen. Die ich nicht im Gedächtnis habe. Statt 750 [gr.] Brot gibt es 3,9 Kgr. Kartiffeln, 550 gr. Mehljedweder Qualität, Kakes usw. die Menge dieser letzteren wird jedoch nach Goldwert bestimmt. Statt der trockenen Gemüse 1,5 Kgr. Frisches Gemüse als da ist Morrüben, Erbsen, grüne Bohnen, Kohl usw. Statt 15 gr. Kaffe 15gr. Cacao, Schokolade oder 5 gr. Tee. Statt 30 gr. Fett 30 gr. Speiseöl oder fetten Speck. Um den Speisezettel nun recht reichhaltig yu gestalten, musten für das erste alle Leute in die Kommission kommen, die Sachkenntnis, Arbeitslust und praktischen Geist genügend besassen und vor allem auch müssten sie portugiesisch

25.
gut sprechen. Also auf zur Kommissions-Wahl. Fachmann ist Herr Wissman Josef.
Er ist der Neffe des Besitzers vom Hotel Metropol in Lissabon und dort als Oberkellner tätig. Er wird von seinem älteren Bruder mit unterstützt. Dieser hatte die Direktion des Kurhotels von Bussaco inne.Die anderen beiden Kommissionsmitglieder sind Herr Appelt und Hoeppel. Da auch ein richtig gehender Koch unter uns ist, so kann die Sache los gehen. Abends sassen wir noch ein mal in der Unteroffizierskantine. Das Essen war nicht gut zubereitet, es gab Suppe und Fleisch mit Kartoffeln, Brot und Wein. Dienstag den 2. Mai fingen wir dann selbst an zu kochen. Am ersten Tage noch, Montag nachmittags kommen richtig die Matratzen, Keilkissen und Feder-Kopfkissen von Bord und werden unter uns verteilt. Da hatten wir nun auch gute Betten. Den Nachmittag vertrieben wir uns mit Spazierengehen im nächsten Bereich der Festung.
Am Dienstag früh (am 2. Tag unseren Hierseins)
26.
kam ein Telegramm, welches den Herren
Stüve, Hoeppel und Schütze die Freiheit wiedergab.
Herr Stüve kam frei da amerikanischer Konsul in Porto war.
Herr Hoeppel ist herzkrank und Herr
Schütze stark verwachsen, so dass sie beide
militärdienstuntauglich sind. Da Herr
Hoeppel der Küchenkommission angehörte, so
wurde ich als Ersatz für ihn gewählt.
Die Tätigkeit der Kommission ist folgende:
Morgens um 7 Uhr gehen zwei Mitglieder
in Begleitung eines Offiziers einkaufen.
Die Einkaufsliste ist am vorhergenden Tag schon fertiggestellt.
Das dritte Mitglied sorgt dafür das [sic!] in der Küche nichts fehlt, und kontrolliert die Eingänge der Einkäufe. Um 8 Uhr hat dieses Mitglied die Kaffeeausgabe zu überwachen. Unser Esssaal ist in einer alte Kirche mit einem schon stark
baufälligen Dachstuhl. An zwei je 10 mtr.
langen Tischen, die von unseren Mitgefangenen gezimmert wurden, wird gegessen.
Als Sitzgelegenheiten dienen Bänke, welche auch von uns gezimmert sind.
27.
Mittags und abends um sechs Uhr haben
die Kommissionsmitglieder die Speiseverteilung
vorzunehmen. Nachmittags um 2 Uhr ist Sitzung,
da werden dann die Einkaufstabellen gemacht, sowie auch Verbesserungsvorschläge eingebracht und beraten. Für die Speisetische hat der
Herr Harting die Tischtücher gestiftet.
Als Dekoration dienen nicht immer, aber sehr oft
4 grosse Feldblumensträusse. Die Bedienung
sowie das Aufwaschen wird von vier
Kellnern besorgt. Ausserdem ist noch ein Mann
vorhanden, der die Wein und Brotverteilung zu besorgen hat.
In der Küche sind der Koch und sein
Helfer tätig, ausserdem noch zwei Kartoffelschäler. Alles dieses Personal wird von uns bezahlt. Zu diesem Zwecke zahlen wir
einen Monatsbeitrag von 1$200 Reis = 3,60 M
nach jetzigem Kurs. Jetzt, wo wo ich dies schreibe, sind wir ca. 6 Wochen hier,
unsere Einrichtung funktioniert tadellos
als Beispiel möchte ich ein paar Speisezettel anführen

28.
Sonntags: 8 Uhr morgens ein Viertel Liter
Cacao, 6 Kekse, Brot nach belieben. Mittags: Fricassé von Kalbfleisch
Beefsteak mit Bratkartoffeln. Abends 6 Uhr: Kraftbrühe mit Nudeln, polnischem Ragout, Schmorbraten mit Kartoffeln und
Sauerkohl. Gestern gab es folgendes: 8 Uhr
Kaffee mit Milch u Zucker, Brot nach belieben.
Mittags: Bohnenragout (grüne Bohnen), Königsberger Klops
mit Kartoffeln. 6 Uhr abends:
Kraftbrühe mit Fleischklösschen, Sardinen mit
Tomatentunke, Braten mit Kartoffeln und
Salat von grünen Bohnen.
So nun doch wieder zurück um die Ereignisse der Reihe nach zu schildern.
Täglich haben wir uns zwei mal zu melden. Wir treten in zwei Gliedern an, Herr Harting zählt ab und macht dann die Meldung beim Diensttuenden Offizier. Bei Gelegenheit dieser Meldung, werden auch sämtliche Bekanntmachungen und neue Vorschriften zur Kenntnis gebracht.Die Meldung geschieht kurz vor den Mahlzeiten. Das nächste bemerkens-
29.
Sonntags: 8 Uhr morgens ein Viertel Liter
Cacao, 6 Kekse, Brot nach belieben. Mittags: Fricassé von Kalbfleisch
Beefsteak mit Bratkartoffeln. Abends 6 Uhr: Kraftbrühe mit Nudeln, polnischem Ragout, Schmorbraten mit Kartoffeln und
Sauerkohl. Gestern gab es folgendes: 8 Uhr
Kaffee mit Milch u Zucker, Brot nach belieben.
Mittags: Bohnenragout (grüne Bohnen), Königsberger Klops
mit Kartoffeln. 6 Uhr abends:
Kraftbrühe mit Fleischklösschen, Sardinen mit
Tomatentunke, Braten mit Kartoffeln und
Salat von grünen Bohnen.
So nun doch wieder zurück um die Ereignisse der Reihe nach zu schildern.
Täglich haben wir uns zwei mal zu melden. Wir treten in zwei Gliedern an, Herr Harting zählt ab und macht dann die Meldung beim Diensttuenden Offizier. Bei Gelegenheit dieser Meldung, werden auch sämtliche Bekanntmachungen und neue Vorschriften zur Kenntnis gebracht.Die Meldung geschieht kurz vor den Mahlzeiten. Das nächste bemerkens
29.
werte Ereignis hat am 5. Mai
eins. Die Roma kam an von Lissabon, aber
für mich brachte sie nichts, nicht einmal eine
Postkarte. Ich war tief niedergeschlagen. Seit
14 Tagen ohne jede Nachricht von Laura und
den Kindern und dabei die Sehnsucht nach ihnen
mit jedem Tag wachsend. Ich hatte weinen mögen den ganzen Tag, allein sein, niemand sehen!
Gott weiss wie ich an den Kindern und an meiner Frau hänge,
aber ich glaube die Sehnsucht nach unserem Ältesten,
nach dem Ernst, überwog alles.
Es vergeht keine Stunde des Tages, wo ich nicht
an ihn denke. Aber wie man wohl so fast
alles in der Welt überwindet, nicht vergisst, so
geht auch das vorüber, und als bester Heiler ist
ja die Arbeit bekannt. So gings auch mir, die
Tätigkeit in der Kommission lenkte mich bald
wieder ab.
Am 6. Mai ging ich mit noch zwei Kameraden,
Herrn Rindfleisch, Lehrer an der akademischen
Schule in Lissabon und Herrn Siegelkow, I. Offizier auf dem Schiffe „Schwarzburg“, Blumen holen.
30.
Dabei lernte ich so recht den “Monte Brasil” kennen. Die anderen beiden Herren dienten mir als Führer, denn meine Kommissionstätigkeit lies
mich zu grösseren Spaziergängen nicht kommen. Wir drei haben uns so zusammen
gefunden und passen auch ganz gut zusammen.
Wir sind wohl oft ein jeder anderer Meinung, dann gibt es ein paar
Diskussionen, wobei sich selten
der Gegner überzeugen lässt. Sonst geht es bei
unseren gemeinschaftlichen Spaziergängen
sehr still zu, jeder hängt seinen Gedanken
nach, denn es ist, scheints, eine stille Abmachung
zwischen uns nicht über banale Dinge zu sprechen. Am
7. Mai war Sonntag und wir wollten unseren
Esstischen, die am Freitag
fertig geworden waren, auch ein sonntägliches
Aussehen geben. Das gelang uns auch, nur die
Kirche in ihrem Zustand des Verfallens und
Vermoderns gab kein rechtes Milieu dazu.
Die Tische waren zum ersten mal mit den weiss und hellblau gestreiften
Tischtüchern bedeckt und darauf prangten die von mir

31.
geordneten Feldblumensträusse.
Mittwoch, der 10. Mai kommt heran schon vor
5 Uhr morgens hören wir auf unserem Zimmer
die Sirene des bereits schon im Hafen liegenden Funchal heulen.
Frohe Erregung, aber nur bei vielen schmerzlichen Sehnsucht
liegt auf aller Gesicht. Ist doch keiner
unter uns, der nicht auf Nachrichten wartet, sei es von den eigenen Lieben,
sei es von Freunden. Nachmittags gegen 2 Uhr überbringt mir
unser Leutnant zwei Briefe und ein
Telegramm von Laura. Ich durchlese die
Briefe und fange an zu zittern vor Erregung
und ohnmächtiger Wut. Herr Gott im Himmel,
ist kein Blitz da, der dies Gesindel, diese
Hunde, dies Lumpenpack von einer Regierung
zerschmettert. Diese Spitzbuben, diese Folterknechte,
die es verschulden, dass da ein armes Frauenherz sich windet,quält, sich zusammen-
krampft in unfassbarer Sehnsucht nach dem
Liebsten, was er besitzt, im tiefsten Schmerz
in maßloser Besorgniss um das Teuerste, was
32.
32.
ihr gehört, nur ihr? In der ersten Aufwallung
denke ich daran, Laura und den Ernst
kommen zu lassen. Auch viele meiner Kameraden
raten mir dazu, jedoch als ich schon das
Telegramm aufgesetzt habe, kommen mir Bedenken.
Wie, wenn durch einen bösen Zufall, das
Schiff auf dem sich beide befinden versenkt
würde. Auch hier ist ja noch lange nicht alles
so wie es sein sollte. Die hygienischen Verhältnisse
lassen alles zu wünschen übrig. Die
Wasch-, Bade- und Abortverhältnisse stehen
noch auf der primitivsten Stufe. Die Verantwortung
überwiegt schliesslich und ich entscheide mich
für “Nein”. Ich bespreche noch mit Herrn Harting
die Sache und auch er ist derselben Meinung.
Was anderes wäre es ja, wenn auch Laura nach
hierher geschickt würde, dann wäre sie eben
hier und würde sich anpassen und nach den herr-
schenden Bedingungen richten müssen.
Die Tage verliefen hier gleich vom Anfang
an ziemlich einförmig, die einzige Abwechslung
die ich hatte waren die Einkaufsgänge in
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die Stadt und einige Spaziergänge auf
dem Monte Brasil. Wir fanden bald einige
lauschige, stille Plätzchen wo es sich recht
angenehm plaudern und träumen lies.
Ach ja träumen! Vom Träumen von
vergangenem Glück und goldener Zukunft.
Werden wir überhaupt noch einmal glücklich
sein? Werden die Folgen dieses schrecklichen
Krieges nicht auch Spuren bei mir hinter-
lassen die ein frohes sonniges Glück voll-
ständig verbannen. Ich mag diese Gedanken
nicht weiter spinnen. Oft, wenn ich so da sitze,
dem leisen Rauschen der Brandung horchend,
die 200 m unter mir wiegt und schäumt,
überkommt mich oft ein leises Grauen. Ich denke
daran wie auch meine Brüder da draussen stehen
auf den Schlachtfeldern, in jeder Minute bereit
ihr Leben zu lassen für’s Vaterland. Was bin ich
besser als sie? Was sind wir alle besser, als die in tosender Schlacht
ihr Leben lassen für Deutschlands Ehre, für Deutschlands Grösse,
für Deutschlands Freiheit. Und dann höre

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ich eine Stimme die mir zuruft: „Sei doch froh
dass es so ist, sei doch froh, dass Du Dein Leben
nicht einzusetzen brauchst.“ Und nur, wenn
ich dann daran denke, wie auch wir nötig sein
werden nach dem Kriege, um für Deutschland
einzutreten, dann bekomme ich das Gleichgewicht wieder.
Die Waffen werden freilich andere
sein. Ich glaube, dass auch in denen, die
früher sich auf ihr Deutschtum kaum
noch besonnen haben, durch den Krieg der
Wille zur Tat erwacht ist, und dass viele durch
die Wucht der Ereignisse aufgerüttelt
worden sind. Auch wird ihnen zum Erinnerung
gekommen sein, was sie als Deutsche ihrem
Vaterland schuldig sind, auch in Friedenszeiten.
Mir sind während der acht Jahre, die ich hier
bin, viele recht eigentümliche Fälle zu Gesicht
gekommen. Da kommt ein junger Mann zwischen
22 und 25 Jahren hierher nach Portugal.
Die Verhältnisse sind ihm im Vaterland zu
eng geworden. Der Mann hat unbedingt mehr
Mut, mehr Intelligenz und mehr Unternehmungsgeist
35.
als der Durchschnitt der Menschen.
Denn wenn er zaghaft wäre so würde er
sich unter Allmutter Vaterlands-Schürze nicht hervorgewagt haben.
Was geschieht jetzt? Er ist so in den Jahren wo man
meistens heiratet. Die Speisen sind aufreizend
der meistens reichlich genossene Wein wirkt viel
aufregender. Die Weiber sind feurig, üppig
verführerisch. Er widersteht nicht. Der anerzogene Ekel
die oft auf religiösen Gründen beruhender Angst, hält ihn etwas zurück
vor einem freien Zusammenleben. Aber der Widerstand dauert nicht lange.
Das warme Klima macht apatisch und unterdrückt jeden
Widerstand bald. Wenn seine Mittel ausreichen würden,
so würde er vielleicht recht gern heiraten,
aber die Furcht vor der Verantwortung und vor
der dann stark beeinttächtigten Freiheit
unterdrückt dieses Verlangen. Er sucht und
findet leicht ,ach’ nur zu leicht ein Frauenzimmer,
welches in dies Zusammenleben einwilligt.
In den seltensten Fällen findet er
36.
unter diesen Umständen eine häusliche
Frau. Die meisten von ihnen jagen nach Luxus nach leichtem Leben
Ich will nur hier auch garnicht die eventuell erzeugten Kinder erwähnen,
die ja logischer weiser dem alten Vaterland von vornherein
verloren sind. Aber jetzt wird er der Frau überdrüssig,
er hat vielleicht Gehaltserhöhung bekommen und kann sich
daher etwas besseres leisten, da findet er
eine andere, so macht er es vielleicht nach
ein mal zwei mal. Da endlich 35–40 Jahre
die Stellung ist gut geworden, er sehnt sich
vielleicht doch nach häuslicher Ruhe, er heiratet
und wohl auch eine deutsche Frau.
Aber wie können die Nachkommen aussehen?
Die Nachkommen eines Mannes, der das Beste
was ihm die Natur gab, seine Zeugungskraft,
in wilder Ehe in belanglosem, nur auf der
Befriedigung der sinnlichen Lust,
gegründeten Geschlechtsleben, vergeudete?
Diese Nachkommen können, gelinde gesagt

37.
nicht vollwertig sein. Aber Deutschland
braucht im Auslande, vollwertige,
charakterfeste Männer und nicht die Erzeugnisse
einer zu drei viertel verbrauchten Manneskraft. Leute die
so etwas tun, müssen gewarnt werden,
der Consul, der Gesandte, der Chef, wenn
er ein Deutscher ist, müssen sich so
einen Menschen ins Gebet nehmen und
ihn auf diese Folgen aufmerksam machen.
Jetzt ein anderer Fall. So ein Mensch heiratet
eine Frau des Landes, in dem er lebt. Die
Mittel sind bescheiden. Er lebt auch womöglich
etwas abseits von der Hauptstadt oder
ganz in der Provinz. Da kommen die Kinder.
Der Vater möchte sie ganz gern dem Deutschtum erhalten,
aber darum müsste er sie auf dem Consulat anmelden,
das ist ihm zu unbequem; die Kinder sollten kirchlich getauft
werden, das kostet Geld, ergo, sie bekommen die
Nationalität ihres Geburtslandes. Der Vater
38.
hat vielleicht nicht die genügende allgemeine
Bildung um die Folgen seiner Handlung
einzusehen. Der schwierigste Punkt kommt
jedoch erst wenn die Kinder schulpflichtig
werden. Es gibt in jedem Lande fast
deutsche Schulen, aber der Besuch dieser
Schulen ist für die Kinder bescheiden lebender Eltern,
(ich erinnere an Schlosser, Weber, Glassbläser) wenn sie
nicht direkt in der Hauptstadt oder dem
Vororte leben, wo sich die Schule befindet,
complet [sic!] unmöglich. Erstens: der Vater kann
die ziemlich hohen Schulgelder nicht zahlen
und zweitens, wer zahlt die Pension
beziehungsweise die Fahrgelder nach und von der
Schule? Wenn allen Kindern deutscher
Abstammung, der Segen deutscher Erziehung,
zuteil werden könnte, so würden viele wertvolle
Elemente dem deutschen Vaterlande erhalten
bleiben. Das lässt sich aber nur durchführen,
wenn die Bemittelten der Deutschen
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oder auch die Regierung selbst etwas dafür
tun. Diese ganze Sachen gehören ja
nun eigentlich nicht hierher, aber
mir kommen oft diese Gedanken,
denn es schmerzt mich soviel deutsches
Blut einfach verloren zu sehen.
Doch nun zurück nach “Terceira”. Natur-
gemäss komme ich hier oft mit den
Einwohnern von Angra zusammen.
Ich habe bis jetzt konstatieren können,
das die überwiegende Mehrzahl deutschfreundlich gesinnt ist.
Auch sind die meisten Monarchisten und sehr religiös.
Am 10. Mai tauchte hier plötzlich das
Gerücht von der Einnahme Dünaburgs
auf. Alles war froh darüber, aber doch
gab es auch einige, ich gehörte mit dazu, die an
der Wahrheit dieser Sache zweifelten.
Am 13 Mai nahm unser Herr Schmidt, Prokorist der
Firma Ernst Georg in Lissabon, Urlaub nach der Stadt, um
mit seiner Frau den Arzt zu besuchen. Er benutzte

40.
jedoch die Gelegenheit, nahm sich einen
Wagen und fuhr nach St. Matheus,
einem Ort ungefähr eine Stunde entfernt
von Angra. Das gab ja nun einen Höllenkrach.
Er bekam einen strengen Verweis
vom General, und das schlimmste ist, die
Massregeln gegen uns wurden auch verschärft.
Er hat unter uns eine grosse Entrüstung gegen sich wachgerufen,
die gewiss nicht dazu beiträgt seine Unbeliebtheit
bei uns zu verringern. Auch die Offiziere die uns von Lissabon
begleitet haben, haben einen schweren Stand, da sie von
den hiesigen Offizieren sehr beneidet werden.
Überall finden sie Opposition.
Am 15. Mai zog ich mit Herrn Siegelkow um.
Wir kamen mit noch zwei Mann, den II. und
III. Ingenieur, von der Schwarzburg auf ein Zimmer.
Hier haben wir bessere Waschgelegenheit.
Und vor allem sind wir mehr unter uns.
Wir haben uns ganz nett eingerichtet. Stühle
oder ähnliche Luxusartikel gibts ja nicht.
41.
Die Möbel bestehen aus unseren Betten,
einem Tisch, einer Bank und zwei Stühlen.
In einer nebenan liegenden Küche
steht der Waschständer. Ausser diesen Sachen
habe ich mir noch einen Nachttisch aus
einer alten Kiste gebaut. Die Beleuchtung ist elektrisch.
Am 18. Mai bekamen wir wieder eine Nachricht von einem
grossen Siege bei Soissons. Wieder derselbe
Effekt. Grosse Freude bei den Einen und stille
Zweifel bei uns anderen.
Am 22. Mai legte ich mein Kommissionsamt nieder,
dann auch die anderen Herren sollten ein wenig arbeiten.
Ich wollte dann dies Tagebuch gleich anfangen,
aber gleich am nächsten Tage bat
mich unser Hauptmann, einen sehr
verwahrlosten Ziergarten in Ordnung
zu bringen, was ich schliesslich nicht
gut ablehnen konnte, da sowohl er, wie
auch die beiden Leutnants die Liebenswürdigkeit in Person sind.
42.
Am 22. Mai kam der Herr Stüve zu mir
und fragte mich ob ich Stationen für drahtlose Telegraphie kenne.
Da ich nicht unbedingt bejahen konnte, kam er dann mit
der Sprache heraus, dass es sich um eine
schlecht funktionierende Station in Angra
handelte. Es wäre Privatbesitz, aber sie
funktionierte nicht richtig und wir bekämen
daher die Telegramme nur verstümmelt.
Ich erbot mich, die Instandsetzung zu versuchen
Nach zwei Tagen sagte man mir, sie funktioniere schon wieder.
Da wurde ich stutzig; ich besprach die Sache
mit Herrn Harting und wir kamen beide überein,
dass irgend etwas bei den Nachrichten nicht
stimmte.
Am 21. Mai kam die Nachricht, dass der Dr.
Hasse, nach dem Festlande zurück könnte.
Was es mit diesem Herrn für eine Bewandtnis
hat, weiss überhaupt niemand. Er will
türkischer Marineoffizier gewesen sein, dann
sagte er wieder, nachdem er schon während

43.
der ersten 8 Stunden Fahrt seekrank war, er
wäre Kavallerieoffizier gewesen. Hier angekommen,
machte er ständig Reklamationen. Er fertigte dann ein Gesuch aus,
in dem er bewiess, dass er österreichische Nationalität sei.
Mit einem Wort war ein Erzgauner. Er war auch derjenige, der
uns immer die Siegesnachrichten aus der
Stadt brachte. Mit dem Dampfer am
20. Mai waren Zeitungen gekommen und
auch noch 9 Deutsche so der letzte
Rest, den man überall noch zusammen
gelesen hatte. Einer von diesen brachte
ein “A.B.C” mit, dies eine sehr deutschfreundliche
Zeitung, da sie schon vor dem 14.
Mai war, hätte von Dünaburg etwas drin stehen
müssen, was jedoch nicht der Fall
war. Wir sahen dass wir von diesem Spitzbuben, Dr. Hasse,
arg genassführt waren. Alles
war wütend und es konnte von Glück
sagen, dass er ohne eine Tracht Prügel davon kam.
44.
Am 28. Mai machte Herr Harting bekannt,
das [sic!] Monatsbeiträge für den Monat Juni
am 31. Mai eingezogen werden sollten.
Unter uns haben wir einige Personen
welche mehr portugiesisch als deutsch
gesinnt sind. Diese fingen nun an zu
reklamieren; da uns das Porzellan knapp
war, so mussten bei einer Mahlzeit immer
einige Personen aus Blechtellern essen, aus
denen wir während unserer ganzen Reise
gegessen hatten. Diese Portugiesen, wir
nennen sie nie anderst, denn auf den Namen “Deutsche”
haben sie keinen Anspruch, wiesen nun die Blechteller zurück
mit der Bemerkung „sie wären nicht gewöhnt aus Hundenäpfen
zu essen und der deutsche “Frass” wäre überhaupt nichts für sie”.
Am Sonntag den 29. Mai standen sie abends nach dem Essen
mit Unteroffizieren und Mannschaften herum und beklakten [sic!]
sich dort über das Essen und die ganze Einrichtung.
Infolge dieser Scherereien legte Herr
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Harting sein Amt nieder. Vorher waren wir
schon informiert gewesen und wir hatten
uns gut vorbereitet. Herr Siegelkow trat
vor und bat diejenigen die mit Herrn
Hartings Geschäftsführung einverstanden
waren abseits zu treten und siehe da
Alles lief mit. Das war uns dann nun doch ein bisschen zu bunt.
Rufe „Raus mit den Feiglingen, die gross
schnautzen sollen vortreten u.s.w. ertönten.”
Aber erst als wir sie mit Namen riefen kamen sie hervor.
Einer von unseren Lieutenants nahm sie sich vor und hielt ihnen
eine donnernde Strafpredigt. Er sagte ihnen, dass das Essen
sehr gut wäre und das er, wie auch seine
Kameraden, vorziehen würden mit uns
zu essen, aber leider könnten sie es nicht.
Herr Harting wurde dann von uns gebeten
seinen Vorsitzenden Posten wieder anzunehmen,
was er dann auch tat und alles blieb wieder beim alten.

46.
Am 5. Juni war dann mein Geburtstag.
Ich habe ihn selten so angenehm verlebt
und wenn nicht die grosse Sehnsucht
nach Frau und Kindern durchgebrochen
hätte, hätte es noch viel schöner sein
können. Morgens früh um 8 Uhr als ich
mit meinen Kaffee ankam, fand ich meinen
Geburtstagstisch schon aufgetan. Meine
Zimmerkammeraden hatten mir zwei Kuchen
backen lassen, mein früherer Kommissions-
kollege Herr Appelt schenkte mir eine
Flasche Madeira-Wein und der
Koch hatte aus Kartoffeln, Morrüben und anderem
Gemüse, Rosen, Nelken u.s.w. geschnitten
und sie zu einem ulkigen Strauss gebunden.
Um 9 Uhr kam dann Herr Harting und Herr Hölzer
gratulierten. Herr Harting schenkte mir ein
Bild von Angra und von Herrn Hölzer bekam ich
im Namen seiner Zimmerkollegen
zwei Flaschen alten Portwein. Dann kam
noch der Herr Schmidt, Prokurist
47.
bei Herold und brachte mir ½ Dtz. gute
Dannemann Cigarren. Ich lud alle Herren
nach Tisch zu einem Gläschen Portwein
ein und dann wurde ich von Herrn
Hölzer und Herrn Ebbinghans zum
Kaffee eingeladen.
Nachmittags um vier Uhr gingen wir baden an die
See, es war grossartig. Ich war das erste
mal mit, es war eine herrliche Dünung.
Beim Schwimmen wurde man von den
Wellen die ca. 1½ m hoch gingen, gewiegt
als ob man in einer Schaukel sässe.
Ich war ganz entzückt. Ich bin dann
alle Tag gegangen. Es ist das schönste Vergnügen
was ich kenne.
Am Mittwoch den 7. Juni war der Geburtstag von
Herrn Ebbinghans. Nachmittags gab
es Kaffee und Kuchen, wozu ich auch eingeladen war.
Als wir gerade bei der Kaffeetafel waren, kommt
unser Lieutnant “Leal” heran und bringt uns die Nachricht,
dass am 16. Juni hier noch 175 Deutsche ankämen.
48.
Er sagte noch, das Telegramm sei von der
Insel Madeira gekommen, aber ob alle
Deutschen dort kämen oder auch noch
von wo anders, wüsste er nicht. Wir sind
nun nicht gerade sehr erbaut von diesem
Zuwachs, na man würde erst abwarten.
Am 11. Juni hatten wir Pfingsten; so
einen verregneten Pfingstsonntag habe
ich in meinem ganzen Leben noch
nicht mitgemacht. Die Herrn Harting,
Ebbinghans, Hölzer und ich hatten uns
vereinbart früh morgens um 6h45 baden
zu gehen. Da es um 6 Uhr früh schon regnete
stand ich natürlich nicht auf, aber das half mir nichts
ich musste raus und wir gingen dann um 7 Uhr an den Strand.
Anfangs ging es gut, es regnete wenig oder gar nicht.
Als wir jedoch im Wasser waren ging es
los. Die Dünung war riesenhaft.
Dennoch versuchte ich den Strand längs zu schwimmen.
Ich kam aber nicht weit, die zweite Welle
schon warf mich einfach um und da

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